Fun - Geschichten



Upgrade von Freund 5.9 auf Ehemann 1.0

Sehr geehrter Technischer Support,

Ich habe letztes Jahr Freund 5.0 auf Ehemann 1.0 aktualisiert und bemerkt, dass das Programm unerwartete Änderungen an der installierten Software vornahm. Der Zugriff auf Kleider, Blumen und Schmuck, die unter Freund 5.0 problemlos liefen, wurde ernsthaft erschwert. In der Broschüre wurde dieses Phänomen nicht mit einem Wort erwähnt!

Zusätzlich deinstalliert Ehemann 1.0 viele andere, wertvolle Programme, wie Abendessen/Tanzen 7.5, Kreuzfahrt 2.3 und Oper 6.1, und installiert neue, unerwünschte Programme wie Stammtisch 1.3, SonntagsFussball 5.0, Golf 2.4 und ÜberallUnruheStiften 4.5.

Ausserdem funktioniert Unterhaltung 8.0 nicht mehr, sie lässt das ganze System abstürzen. Unter keinen Umständen will Hausarbeiten 2.6 starten. Ich habe versucht, Nörgeln 5.3 zu starten, um Ehemann 1.0 zu reparieren, aber dieses Allzweckmittel zeigt kaum Wirkung. Ich weiss nicht mehr weiter, bitte helfen Sie!!!

Gezeichnet, Jane


Liebe Jane!

Das ist ein Problem, über das sich Frauen sehr häufig beschweren, aber meistens hängt dies mit einer anfänglich falschen Vorstellung zusammen. Viele Leute aktualisieren von Freund 5.0 auf Ehemann 1.0, ohne zu wissen, dass Freund 5.0 lediglich ein UNTERHALTUNGSWERKZEUG ist.

Ehemann 1.0 hingegen ist jedoch ein BETRIEBSSYSTEM, dass von seinem Programmierer entwickelt wurde, um so wenig andere Programme wie möglich starten zu können. Ausserdem können Sie Ehemann 1.0 nicht einfach umtauschen und zu Freund 5.0 zurückkehren, da Ehemann 1.0 nicht dafür entwickelt wurde. Versteckte Systemdateien würden Freund 5.0 wie Ehemann 1.0 funktionieren lassen, und niemandem wäre geholfen.

Es ist unmöglich, die Programmdateien des Systems zu deinstallieren, zu löschen oder von der Platte zu werfen, sobald es einmal installiert wurde. Neue Programmdateien können nur einmal pro Jahr installiert werden, da Ehemann 1.0 nur einen limitierten Speicher hat.

Fehlermeldungen sind nichts Ungewöhnliches bei Ehemann 1.0. In ihrer Verzweiflung haben einige Frauen versucht, Freund 6.0 oder Ehemann 2.0 zu installieren, aber sie sind auf mehr Probleme gestossen als mit Ehemann 1.0.

Schlagen Sie in der Bedienungsanleitung unter "Warnungen: Scheidung/Unterhalt" nach. Sie werden bemerken, dass dieses Programm äusserst schlecht läuft und mit HerzensBrecher 1.3 ausgeliefert wird. Ich empfehle Ihnen, Ehemann 1.0 zu behalten und zu lernen, mit den Marotten dieses unlogischen Systems auszukommen.

Da ich selbst Ehemann 1.0 installiert habe, darf ich vorschlagen, den ganzen Abschnitt "Allgemeine Partnerschaftsfehler [APF's]" zu lesen. Dies ist ein tolles Feature in Ehemann 1.0, unauffällig von unserer Muttergesellschaft als ein wesentlicher Teil des Betriebssystems installiert. Ehemann 1.0 muss JEDE Verantwortung zu ALLEN Fehlern und Problemen, ungeachtet der Ursprünge, auf sich nehmen.

Um dieses tolle Feature zu aktivieren, geben Sie folgenden Befehl ein: "C: ICH DACHTE DU WÜRDEST MICH LIEBEN". Manchmal muss Tränen 6.2 gleichzeitig laufen, wenn dieser Befehl benutzt wird. Ehemann 1.0 sollte dann das Programm Entschuldigung 12.3 und Blumen/Konfekt 7.8 starten.

Tipp für alle technisch Versierten!
Vermeiden Sie die übertriebene Nutzung dieses Features. Die Übernutzung kann zusätzliche und schwerere Abstürze verursachen, und schliesslich müssen SIE "C: ES TUT MIR LEID" eingeben, um den Normalzustand wieder herzustellen. Übernutzung kann ebenfalls dazu führen, dass Ehemann 1.0 das Programm SchlechteLaune 2.5 oder, noch schlimmer, das Programm Bier 6.0 startet. Bier 6.0 ist ein sehr schlechtes Programm, das Ehemann 1.0 dazu veranlasst, Bierbauch-Dateien anzulegen und LautesSchnarchen-Musikdateien abzuspielen, die sehr schwer wieder zu löschen sind. Ersparen Sie sich Ärger, indem Sie diesen Tipp befolgen! Nicht vergessen! Das System wird völlig problemlos laufen und jede Abstürze verantworten, doch wegen diesen tollen Features wird es nur manchmal die Anwendungen starten, die Sie von Freund 5.0 kannten.

Ehemann 1.0 ist ein tolles Programm, doch es verfügt nur über limitierten Speicher und ist nicht fähig, neue Anwendungen schnell zu laden. Sie sollten erwägen, zusätzliche Software zu erwerben, um die Performance zu verbessern, ich persönlich empfehle WarmesEssen 3.0, SexyDamenunterwäsche 5.3 und Geduld 10.1. Zusammen benutzt können diese Utilities wirklich helfen, dass Ehemann 1.0 sauber läuft. Nach einigen Jahren der Benutzung werden Sie viele wertvolle, eingebaute Features finden, wie z.B.: KaputteSachenReparieren 2.1, Liebkosung 4.2 und BesterFreund 7.6.

Eine abschliessende Warnung!
Installieren Sie unter KEINEN Umständen SchwiegerMutter 1.0. Diese Anwendung wird nicht unterstützt und wird sporadisch das Betriebssystem herunterfahren. Ehemann 1.0 wird nur Fischen 9.4 und Jagen 5.2 laufen lassen, bis Schwiegermutter 1.0 wieder deinstalliert ist.

Ich hoffe, Ihnen geholfen zu haben und danken, dass Sie Ehemann 1.0 installiert haben. Wir vom Technischen Support wünschen Ihnen alles Gute für die kommenden Jahre.
Wie sind uns sicher, dass Sie lernen werden, dieses Produkt gänzlich zu geniessen!

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Tanz gegen die Einsamkeit

DER CHILENISCHE MUSIKER UND DICHTER PABLO ARDOUIN ERZÄHLT ÜBER DEN TANGO IM HERBST

Jetzt ist schon November. Uns bleibt nur die Erinnerung an einen Sommer, der endlich einmal anders war als dieses amorphe, launische Etwas, an das wir uns schon gewöhnt hatten. Nun werden die Blätter in gehässigem Wahn von den Bediensteten des Gartenamts fortgefegt, die ihre Maschinen des Fortschritts ergreifen, um uns im Morgengrauen mit ohrenbetäubendem Getöse aus dem Schlaf zu reißen. Es ist eine entsetzliche Angewohnheit, uns auf diese Art die einzige Schönheit des Herbstes zu rauben: die goldenen, bronzenen und roten Farben und uns schmerzlich daran zu erinnern, dass alles mit der Zeit alt und nutzlos wird. Ich habe einen skandinavischen Freund, der den Herbst aus denselben Gründen hasst, aus denen er Abneigung gegen den Tango empfindet. Mein Freund findet beide traurig, nostalgisch und depressiv. Er meint, sie seien eine Einladung zum Selbstmord. Und tatsächlich: betrachtet man die Selbstmordraten im Norden Europas gerade im Herbst, wäre man gezwungen, ihm Recht zu geben. Aber die Schweden lieben im Allgemeinen den Tango. Lieben sie auch den Herbst und die Nostalgie?

Ich wage zu behaupten, dass es nicht der Tango ist, der die Nostalgie sucht. Es ist die Nostalgie, die in ihm ihren Zufluchtsort gefunden hat. Die Nostalgie braucht den Tango und nicht umgekehrt. Der Tango traurig und depressiv? Der Tango kann auch aufmüpfig, nihilistisch, anarchisch, widerspenstig, wütend und leidenschaftlich sein. Lädt er wirklich zum Selbstmord ein? Am Rio de la Plata, zwischen Argentinien und Uruguay, der eigentlichen Heimat des Tango, waren - soviel ich weiß - die einzigen, die sich wegen des Tango umbrachten oder es zumindest versuchten, ein paar Verrückte bei der Beerdigung von Carlos Gardel in Buenos Aires 1935. Die Selbstmörder waren Puristen, die glaubten, Gardel sei der Tango und Tango sei Gardel. Das wäre das Gleiche, als würde man behaupten, der Fußball sei Maradona und Maradona der Fußball. Oder Evita Argentinien und Argentinien Evita. Wie auch immer, der Herbst kann uns wirklich zusetzen, uns traurig, nostalgisch und schlecht gelaunt werden lassen.

Mein Rezept gegen diesen Effekt - der Theorie meines skandinavischen Freundes zum Trotz - ist, zu lernen, dem Tango wirklich zuzuhören und hoffentlich auch ihn zu tanzen, aber in seiner reinsten, unverdorbenen Form, frei von Show-Elementen mit denen man ihn hier in Europa eher in eine Akrobatik-Kunst verwandelt hat. Durch diese wundervolle Musik und den Tanz lassen sich verbannte und versteckte menschliche Leidenschaften wieder entdecken, die uns von der grauen Alltagsrealität gestohlen wurden: die Libido, der Körperkontakt, die Freude, sich in die Augen zu schauen und zu spüren, dass wir nicht allein sind, ausgeliefert jener Einsamkeit, die der Herbst uns aufzwingt, wenn er uns mit seinen Wetterlaunen dazu treibt, uns einzuigeln. Den Tango zu tanzen - natürlich mit dem geeigneten Partner - kann bedeuten, endlich wieder den Höhepunkt zu empfinden, den zwei aneinander geschmiegte Körper bereiten, das Blut in Wallung, gemeinsam zu schwitzen und all dies ... in aufrechter Haltung!

Quelle: Frankfurter Rundschau, 13.11.2003 / Pablo Ardouin
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TECHNO

Was ist überhaupt Techno?

Techno wird von den verschiedensten Leuten fälschlicherweise als Musik bezeichnet. Objektiv betrachtet kann man es jedoch nur als eine Aneinanderreihung und Überlagerung verschiedenster undefinierbarer Geräusche ansehen. Ein Techno Lied besteht ausnahmslos aus sehr tiefen Tönen und Mitten. Ab und zu kann sich auch schon mal ein sehr heller Ton (z.B. das Echolot-Geräusch eines U-Bootes) von der übrigen Geräuschanhäufung abheben. Die rhythmisch, meist an den Schwerpunkten des Taktes auftretenden Bass-Töne klingen ähnlich wie das Geräusch, das erzeugt wird, wenn man kraftvoll mit der Faust gegen eine hohle Hauswand schlägt. Im Display eines Synthesizers wird dieser Klang häufig als "Base Drum" bezeichnet, obwohl die Lautabsonderung des Synthesizers nur entfernt an das entsprechende akustische Instrument erinnert. Mit den mittleren und eventuell vorhandenen (siehe oben) hohen Tönen wird der restliche Rhythmus, die Melodie und das Gesamtbild verschlechternde Einwürfe wiedergegeben. Das Melodie-Thema besteht grundsätzlich aus nicht viel mehr als fünf Tönen und wird das ganze Lied über ohne Erbarmen und bis zum Er- brechen wiederholt. Der Klang, mit welchem die Melodie gespielt wird, muss elektronisch erzeugt sein und darf auf keinen Fall auch nur im Entferntesten an ein natürliches, d.h. nicht elektronisches, Instrument erinnern. In den Ergebnissen der Versuche, ein geistig höherwertiges Techno Lied zu ersinnen, finden sich häufig Nebenmelodien, die noch primitiver sind, als die eigentliche Hauptmelodie. Zwischendurch trifft man auch auf manchmal an Gesang erinnernde Textbrocken, deren Inhalt selbst den Text eines durchschnittlichen Rock 'n' Roll Titels als intelligent erscheinen lässt. Diese Liedteile werden entweder von einem/r schlechten Sänger(in) interpretiert oder bestehen aus einer elektronisch erzeugten oder verfremdeten Lautäusserung, die an einem Sample einer Roboterstimme aus einem schlechten Science-Fiction Film erinnert. Häufig verwendete "Texte" in Techno Liedern sind z.B.: "one-two-three-techno", "TECHNO", "huargh" oder der Titel des Liedes, so dass man es von anderen Techno Liedern unterscheiden kann.

Was ist Hardcore-Techno?

Hardcore-Techno ist eine misslungene, übertrieben schnelle Abwandlung eines "normalen" Techno Liedes, bei dem alles, was mit Melodie zu tun hat, gänzlich fehlt, oder aus dem anderen Krach gar nicht - oder nur mit Mühe - herauszuhören ist. Um "übertrieben schnell" noch etwas genauer zu definieren: Wenn man eine Techno Kassette in ein entsprechen- des Kassettentonbandgerät einlegt und gleichzeitig die Start- und die Vorlauftaste gedrückt hält, ist das, was man da hört, "übertrieben schnell". Kurz gesagt: Ein passendes Synonym für Hardcore-Techno wäre auch "Krach"!

Jetzt wo ich weiss, was Techno ist, warum sollte ich da überhaupt noch Techno-Freak werden wollen?
Diese Frage ist sogar noch heute von den verschiedensten Wissenschaftlern nicht vollständig geklärt worden. Es gibt Irrläufer unter den Gelehrten, die Techno für eine ansteckende Seuche halten. Andere sind der Meinung, dass Techno nur die Nebenwirkung einer Seuche ist, die das Gehirn angreift. Leider ist Techno von Krankenkassen noch nicht als Krankheit anerkannt worden. Sollten Sie von Techno befallen sein, sollten Sie sich schnellstens in ärztliche Behandlung begeben.

Wie höre ich Techno?

Hoffentlich gar nicht, aber um es richtig zu machen, falls es doch schon nötig sein sollte, steht nachfolgend eine kleine Erläuterung dazu. Stilecht Techno hören kann man nur mit einem für die Raumgrösse absolut überdimensionierten Verstärker und Lautsprechern, die die Bässe hoffnungslos überbetonen. Ferner sollte ein Gerät zum Abspielen von Techno Tonträgern (meistens CDs) mit dem Verstärker verbunden sein. Der Bassregler muss bis zum Anschlag aufgedreht sein. Die Lautstärke muss so hoch aufgedreht sein, das man an seinem Hörplatz bei jedem Bass-Beat einen leichten Luftzug verspürt. Hört man Techno mit einem tragbaren Wiedergabegerät, sollte die Lautstärke so hoch sein, dass man bei abgenommenem Hörer Zimmerlautstärke erreicht.

Was läuft auf Techno Parties?

Bei "lahmen" Parties findet man meist nicht mehr als ein flink blitzendes Stroboskop, unerträglich laute Techno-Klänge und Mengenweise schwitzende, drängelnde und sich in ekstatisch zuckenden Bewegungen windende Techno- Freaks. Auf "echten" Hardcore-Techno Parties, wo es richtig "abgeht", findet prinzipiell das gleiche statt, mit der Ausnahme, dass die Personen in bisweilen recht ausgefallener "Kleidung" erscheinen: z.B. Strahlenschutzanzüge und Gasmasken. Als Ergänzung hierzu oder als Ersatz sind neonfarbene Eiskratzer um den Hals oder Trillerpfeifen recht beliebt. Kurz: Alles, was jeder klar denkende Mensch als völlig bekloppt und unmodisch ansehen muss, ist hier schicklich. Wer in Alltagskleidung erscheint, riskiert die Kleiderordnung zu übertreten.

Sollten entscheidende sachliche Fehler in dieser Dokumentation aufgetreten sein, so lassen Sie es uns wissen! Wir konnten es nicht ertragen, zu Informationszwecken mehr als drei Techno CDs zu hören! Von dieser Krach-Richtung Begeisterte werden sagen, wir hätten absolut keine Ahnung; stimmt! (Zum Glück!) :-)
Abschliessend sei noch gesagt: Techno-Freaks mögen sich mit von diesem Text bitte nicht auf den Eiskratzer getreten fühlen, sondern es - genau wie wir - als einen Spass ansehen! ;-)

Kurz: Mit diesem Text wird angedeutet, wie Nicht-Freaks (Hardcore-)Techno sehen könnten.

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Die verschiedenen Spezies der "Wertungsrichter"

Die Mittänzerin -
ehemalige Spitzentänzerin, die heute zumeist sehr erfolgreich als Trainerin arbeitet. Sie hält es kaum ruhig am Flächenrand, zunächst wiegt sich der Körper nur dezent zur Musik. Aber immer kontrolliert, den man hat ja einen Ruf zu verlieren. Langsam beginnen die Finger auf dem Klemmbrett den Takt zu trommeln. Und spätestens zum Endrunden-Jive ist der ganze Körper in Bewegung. Ein Tipp: nichts hasst die Mittänzerin mehr als unmusikalisches, gefühlloses Tanzen. Ruhig mal einen Technikfehler einbauen, das macht sympathisch. Hauptsache, das Tanzen ist schmissig und typisch.

Der Schüchterne -
zum Leidwesen vieler, den Überblick verlierender Turnierleiter ist der Schüchterne nie auf der Fläche zu finden, er steht immer im sichernden Schutz der Zuschauer. Meist ein echter Experte, der sich sein Tanzsport-Wissen hart erarbeitet hat, aber genau weiß, was seine Wertungen anrichten können. Beeinflussbarkeit: gleich null.

Der Kritische -
man erkennt ihn meist an seinem abweisenden, aber immer aufmerksamen Blick. War und ist selbst tänzerisch sehr erfolgreich, kennt das Geschäft in- und auswendig. Die letzten Ranglistenergebnisse sind ihm selbstverständlich präsent, aber er wertet nicht danach. Für ihn ist jedes Turnier ein Neubeginn, allein die Leistung zählt. Auch wenn seine Wertung dadurch manchmal aus dem Rahmen fallen sollte. Beeinflussen kann man ihn nicht, allein gutes Tanzen stimmt ihn gewogen. Vielleicht der fairste Wertungsrichtertypus von allen.

Der Unsichere -
meist selbst ein eher unterklassiger Tänzer, der die Zulassungsvoraussetzungen zur WR-Ausbildung knapp erfüllen konnte. Hauptziel: bloß nicht durch falsche Wertungen aus dem Rahmen fallen. Daher besonders empfänglich für Leitwölfe: gerade Toptrainern, Verbandsfunktionären oder Vereinssportwarten ist er immer dankbar für ihre Tipps - auch wenn sie im krassen Gegensatz zu den gezeigten Leistungen stehen. Sein schlimmster Alptraum: dass er bei den anderen Juroren nicht abschauen kann. Beeinflussbarkeit: direkt gering, mit bekannter Persönlichkeit an der Seite extrem hoch.

Die Schwester Oberin -
imposante und unbewegliche Erscheinung, die mit Feldherren-Blick das Geschehen auf der Fläche mustert. Gewertet wird nach dem Motto "Na, wer hat sich denn heute meine Kreuze verdient?" Ideal ergänzt wird der angsteinflößende Habitus der Oberin durch eine halbrunde, tief auf der Nase aufliegenden Lesebrille, die selbstverständlich durch eine goldene Halskette gesichert wird. Beeinflussbarkeit: In einigen Fällen führt sofortiges und scheues Wegschauen - ihrem Blick hält man eh nicht lange stand - zu den gewünschten Kreuzen.

Der Turm -
völlig regungslos steht er da auf dem Parkett. Kein Lächeln, kein Zwinkern des Erkennens kann die Gesichtsmuskeln reizen - man will ja schließlich nicht als parteilich gelten. Das Klemmbrett hängt am völlig entspannten Arm und zuckt nur für kurze Momente auf Brusthöhe, wenn der Turm wieder eine seiner messerscharfen Entscheidungen getroffen hat. Und dafür ist er bekannt - wenige Sekunden reichen ihm für eine exakte Wertung. Kein minutenlanges Verfolgen in der Hoffnung auf den nächsten Fehler, wer jetzt gut tanzt, tanzt auch in 30 Sekunden noch gut. Taktfehler bleiben ihm mit dieser Methode allerdings meistens verborgen. Beeinflussbarkeit: Wenn man seinen Blick tonnenschwer im Rücken spürt - bloß keinen Fehler machen. Aber keine Sorge - der Blick schweift schnell wieder ab.

Die Mütterliche -
wertet getreu dem Motto "Eigentlich möchte ich ja keinem dieser armen Paare wehtun." Hat selbst in ihrer Karriere zu oft unter den "bösen" Wertungsrichtern leiden müssen. Ist besonders empfänglich für den Tänzer Typ "Schwiegersohn", adrettes und bescheidenes Auftreten und ein charmantes Lächeln - schon hat sie ihr Kreuz verschenkt. Der größte Feind der Mütterlichen: die TSO-Regel "Hälfte bis zwei Drittel der Kreuze", wie soll man sich da bloß entscheiden?

Der Profilierungssüchtige -
er ist ja so jovial und sympathisch - allein für den Weg vom Eingang zur zehn Meter entfernten Startbuchannahme braucht er mindestens zehn Minuten."Oh, Sie auch hier? - Ist das schön, Dich zu sehen! - Nein, was habt Ihr neulich nur toll getanzt! - Ist das Kleid neu? Du siehst ja hinreißend aus!" Man kennt ihn, und er kennt sie alle. Fehlt eigentlich nur noch, dass er auch Tischen und Stühlen sein strahlenden Lächeln schenkt. Gestaltet jeden Einsatz zur perfekten Selbstinszenierung. Ob Dorfpokal oder große Gala - er sieht einfach immer gut aus. Und dabei ist er ja so selbstlos! Wertet in den entlegensten Regionen unserer Republik und verzichtet generös auf jegliche Bezahlung. Hauptsache, er darf werten und Wochenende für Wochenende den erregenden Schauder der Macht spüren. Beeinflussbarkeit: hoch - wenn man selbst Turniere organisiert und ihn dazu regelmäßig als Wertungsrichter einlädt.

Der Routinier -
war schon dabei, als das Tanzen erfunden wurde. Verzeiht daher kleine Fehler sofort. Hauptsache, das Paar kann tanzen. Ruht in sich selbst und seiner Reputation. Ein Typ von Schrot und Korn mit dem Leitsatz "Richtig tanzen könnt ihr alle noch nicht, aber irgendeiner muss ja gewinnen." Weiß in der Vorrunde schon, wer in die Endrunde gehört und hat damit meistens recht. Und wenn nicht: wer wagt schon, einen Wertungsrichter seines Schlages zu hinterfragen. Beeinflussbarkeit: gering - es sei denn, man trainiert bei ihm.

Übrigens: Eine gesunde Mischung der verschiedenen Charakteren in einem Wertungsgericht ist ideal, die Anhäufung eines einzelnen Typus hingegen tödlich. Aber wann kommt das im echten Leben schon mal vor...

Quelle: TSZ Salzgitter
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Brot? Muss das sein?

Es ist nicht länger geheimzuhalten. Die gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen von Brotkonsum, legen den dringenden Entschluß nahe, Brot in die Liste der kontrollierten Substanzen aufzunehmen.


Hier das Fazit einer UN-Studie über das gefährliche Backwerk:

- Mehr als 98% aller Inhaftierten sind BrotkonsumentInnen.

- Die Hälfte aller Kinder, die in Haushalten aufwachsen in denen Brotkonsum stattfindet, liegen bei standardisierten Tests unter dem Durchschnitt.

- Im 18. Jahrhundert, als Brot noch in den Haushalten gebacken wurde, war die durchschnittliche Lebenserwartung geringer als 50 Jahre; die Kindersterblichkeitsrate war inakzeptabel hoch; viele Frauen starben im Kindbett; Seuchen wie TBC, Grippe und Cholera terrorisierten ganze Nationen.

- Mehr als 90% aller Gewaltverbrechen geschehen innerhalb von 24 Stunden nach dem Konsum von Brot.

- Brot wird aus einer Substanz hergestellt, die "Teig" genannt wird. Es ist bewiesen, daß eine Maus schon an einem Pfund Teig ersticken kann. Die/der durchschnittliche Deutsche ißt jeden Monat mehr Brot als diese Menge.

- Primitive Naturvölker, die kein Brot kennen, weisen wesentlich weniger Krebs-, Alzheimer- und Parkinsonfälle auf.

- Brot macht nachweislich abhängig. Menschen, denen Brot entzogen wird und die nur noch Wasser bekommen, betteln spätestens schon nach zwei Tagen um Brot.

- Brot ist eine Einstiegsdroge. Meistens führt sie zum Konsum härterer Mittel wie Butter, Marmelade, Erdnußbutter und sogar Wurst.

- Brot absorbiert Wasser. Da der menschliche Körper zu 90% aus Wasser besteht, kann Brot den Körper in eine dicke wabbelige Masse verwandeln.

- Neugeborene Babys können einen Schock von Brot bekommen.

- Brot wird bei einer Temperatur von über 200 Grad Celsius gebacken. Diese Temperatur tötet einen erwachsenen Menschen innerhalb einer Minute.

- Die meisten BrotkonsumentInnen sind nicht in der Lage, zwischen wissenschaftlichen Fakten und statistischen Manipulationen unterscheiden zu können.



In Kenntnis dieser Tatsachen fordert die UN dringend, folgende Schritte einzuleiten:

- Kein Verkauf von Brot an Jugendliche. - Nationale "BROT - NEIN DANKE"-Kampagnen; unterstützt durch TV-Spots und Informationsmaterial.

- 300% Steuer auf Brot, um die brotbedingten gesellschaftlichen Schäden zu regulieren.

- Keine Werbung für Brot.

- Einrichtung von "brotfreien Zonen" rund um Schulen und Kindergärten.

- Kein Verkauf von Brot in großen Mengen.

- Aufnahme in Dopingliste der verbotenen Substanzen

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Der Junge mit der Maske
von Skoett

Wieso bin ich allein? fragte sie sich als sie in ihrem Buch rumblätterte. Wieso sitze ich hier ganz allein in meinem dunklen Zimmer und warte nur das mich jemand hier herausholt.

So fängt meine Geschichte an, erzählte sie ihrer Mutter beim Abendessen. Wie geht es weiter, fragt die Mutter sie. Das bleibt noch mein Geheimnis, gab sie ihr zur antwort. Eigentlich wusste sie es selber nicht so genau. Nach dem Abendessen setzte sie sich wieder in ihr Zimmer es war dunkel und nur der Mond schien durch ihr Fenster. Ihr mangelte es an Ideen. Völlig verzweifelt setzte sie sich auf ihr Bett und starrte auf ihr bild das über ihr Bett hing. Jetzt kam ihr die Idee, ich könnte doch aus dem Bild eine Geschichte machen, dachte sie sich. Doch leider konnte sie sich nicht vorstellen was das Bild zu bedeuten hat und was für eine Geschichte sie daraus machen könnte.

In derselben Nacht hatte sie einen eigenartigen Traum. Sie stand im Dunkeln im nichts, nicht mal ein kleines Licht sah sie, nicht einmal die hand vor ihren Augen. Plötzlich öffnete sich im Nichts eine Art Spalt aus der ein helles licht kam. Ein Junge ganz in schwarz und mit einer Maske vor dem Gesicht kam ihr entgegen. Obwohl er schwarz gekleidet war brachte er Licht ins dunkel. Was schaust du mich denn so an, fragte er sie. Wer bist du? fragte sie ihn. Ich bin hier um dich zu beschützen, sagte er wieder. Um dir deine Verzweiflung zu nehmen. Das kannst du nicht, wie willst du das machen? Das ist leichter als du glaubst, ich brauchen nur jede Nacht zu die kommen und mit dir reden. Sie verstand ihn nicht. Er ging. Dann ist sie aufgewacht.

Guten Morgen, hörte sie nur noch. Ein neuer Freund sass bei ihr am bett. Hey alles klar, fragte er. Sie kannten sich seid ein paar Monaten. Du siehst verwirrt aus, fragte er ist was passiert? Ich hatte da diesen Traum, von diesen Jungen er trug eine Maske. Eine Maske? Hat er was zu verbergen? Ich weiss nicht, seufzte sie. Er meinte er könnte mir meine Verzweiflung nehmen. Weshalb bist du denn überhaupt verzweifelt? fragte ihr Freund sie. Ich komme mit meiner Geschichte nicht weiter, sagte sie wieder. Hm... ich hab’s vielleicht... stotterte ihr Freund. Was vielleicht? Vielleicht ist er die Idee für deine Geschichte. Schreibe doch über ihn. Keine schlechte Idee, entgegnete sie ihrem Freund. Gut jetzt habe ich den Inhalt meiner Geschichte, aber was willst du hier, fragte sie. Ich wollte nur Bescheid geben das heute Abend eine Party bei mir ist, und das du eingeladen bist, sagte er wieder. Ich bin dabei! Gut dann sehen wir uns heute Abend.

Sie setzte sich sofort an ihre Geschichte und begann zu schreiben. Sie war kaum zu stoppen, und schrieb schon eine ganze Seite voll. Der Tag verging und sie konnte es kaum erwarten das es wieder Nacht wurde. Am Abend ging sie dann also zur Party, sie konnte ihren Augen kaum trauen. Sie sah den Jungen vor sich. Folge mir, sagte er. Er rannte ihr fast weg. Warte schrie sie, so schnell kann ich nicht. Er rannte um die Ecke. Für einen kleinen Augenblick passte sie nicht auf und rannte ihren Kumpel in die Arme. Was willst du den hier ich dachte du bist auf deiner Party. Uns hat noch Cola gefehlt ich musste sie noch besorgen, ausserdem ist sowieso noch keiner da, bist eine Stunde zu früh. Sie sah auf die Uhr. Huch, du hast Recht. Konntest es wohl kaum erwarten was? Sie lächelte. Ähmmmm.... könntest du mir helfen es ist schwer. Ja klar gib her. Zusammen gingen sie zur Party.

Ich habe ihn gerade gesehen, sagte sie zu ihren Kumpel. Wen? fragte er. Na den Jungen mit der Maske von dem ich dir heute Morgen erzählt habe. Wie? lachte er. Träumst wohl schon am Tag was? Ist nichts Neues. Hör auf dich über mich lustig zu machen, er ist mir entkommen und das nur weil du im Weg warst. Na und du siehst ihn doch sowieso wieder so wie ich dich kenne.

Und so war es auch sie träumte die Nacht wieder von ihm. Hilf mir, sagte er, mein Herz ist so schwer. dann verschwand er. Sie schrieb weiter, ja sie war schon ganz gespannt wie ihre Geschichte ausgehen würde. Sie erzählte es auch ihren Kumpel. Hilf mir mein Herz ist so schwer, äffte er ihn nach. Hör auf, sagte sie er ist super lieb und er nimmt mich jede Nacht in den Arm und tröstet mich wenn es mir nicht gut geht. Das klingt ja fast so als hättest du dich in ihn verliebt, sagte er zu ihr. das.....das....das könnte, stotterte sie. Das könnte sein? fragte er. Nein, sagte sie. das könnte mir auf keinen Fall passieren.

Jede Nacht träumte sie von ihm und ihre Geschichte nahm langsam Gestalt an. Nun stand ein Maskenball am nächsten Tag an und sie traf ihn wieder in ihren Traum und tanzte mit ihm. Er sprach: Wir sehen uns auf dem Maskenball, aber erschrecke dich nicht vor mir, denn du kennst mich besser als du glaubst. Sie konnte es kaum erwarten auf den Ball zu gehen, sie richtete ihr Kostüm her, genauso wie in ihrem Traum. Eine Freundin half ihr. Meinst du ich treffe ihn heute wirklich, fragte sie. Ich glaube schon, sprach ihre Freundin. das wäre doch die Chance für in sich unbemerkt unters Volk zu mischen. Zusammen gingen sie hin, plötzlich blieb sie stehen. Was ist den nur, fragte ihre Freundin sie. Ihr ging ihr Kumpel durch den Kopf. Wird er heute auch da sein, fragte sie sich? Ob er mit mir tanzen wird? Ob ich ihn heute sehe? solche fragen gingen ihr durch den Kopf. Nein dachte sie sich, schlag ihn dir aus dem Kopf ihr seid nur gute Freunde, weiter nichts, dachte sie weiter. Wir können weiter hatte nur ein Black out.

Auf dem Maskenball sah sie sich um. Nirgends war er. Es war schon 12 Uhr Mitternachts, die Uhr schlug. Plötzlich betrat er den Tanzsaal und ging zu ihr. Möchtest du tanzen, fragte er. Ja gerne, antwortete sie und sie gingen auf die Tanzfläche. Er kam ihr so bekannt vor, der Geruch, diese Hände, die Art und Weise wie er mit ihr tanzte. Ich kenne dich, sagte sie. Ja das tust du, aber ich kann dir nicht sagen wer ich bin, du würdest dich erschrecken und du würdest es mir niemals verzeihen das ich mit dir darüber nicht reden konnte, sagte er. Sie sah in seine Augen. Ich weiss nicht, wieso ich nicht darauf komme wer du bist, deine Maske verdrängt die Wahrheit, sagte sie wieder.

Er ging wieder nach dem Tanz, sie rannte hinterher. Doch draussen war er nirgends zu finden. Ihr Kumpel kam. Sie rannte zu ihm. Er war hier, er hat mit mir getanzt, sagte sie nervös, jetzt ist er weg. Beruhige dich, sagte er. Ich bin sicher dass du ihn wieder findest. Moment mal, sagte sie, wieso bist du ohne Maske hier, fragte sie ihn. Ähm.... ich..... er stotterte und konnte es nicht erklären. Sie nahm ihn an der Hand, diese Hände, sagte sie. Er wurde nervös. Sie roch den gleichen Geruch. Dieser Geruch, sagte sie.

Er rannte weg, und ihm fiel die Maske aus der Tasche. Du bist also doch mit Maske hier, anders gesagt du warst schon einmal hier, schrie sie hinterher. Er blieb stehen, sie ging zu ihm und hielt ihn die Maske vor sein Gesicht. ja .... du bist es, sagte sie. Wieso? Wieso hast du es mir nicht gesagt.

Weisst du....seufzte er. Ich wollte selber nicht glauben das ich für meine Freundin was empfinde, schliesslich verstehen wir uns so gut. Ich dachte mir ich könnte diese Maske tragen damit du mich nicht auslachst oder ...weil ich erst überlegen wollte wie ich es dir beibringe ohne dass du mich auslachst. Ich liebe dich schon seid ich dich das erste Mal sah, sagte er. Eine Träne lief ihm die Wange runter. Du bist jetzt sicher enttäuscht da ich unseren Schwur das wir uns alles sagen können gebrochen habe oder? fragte er.

Sie lächelte. Nein, sagte sie und wischte ihm die Träne aus dem Gesicht. Ich hätte dich nicht ausgelacht, sagte sie, und ausserdem gefällst du mir ohne Maske besser. Komm her ich muss da was wissen, sagte sie. Sie küsste ihn. Ja sagte sie, du bist der richtige, auf dich habe ich gewartet. Mir wird einiges klar sagte sie, das was ich in meinen Träumen sah ist später passiert. Ich sah ihn rennen am Tag und bin dir in die Arme gefallen. Er brauchte Hilfe so wie ich dir mit der Cola helfen musste. Und er tanzte mit mir, so wie ich herausfand dass du es warst. Nun lass uns reingehen und unseren letzten Tanz tanzen. Letzten Tanz? fragte er. Willst du mich etwa nie wieder sehen. Nein, sagte sie. Ich meine, letzten Tanz als Freunde und ersten Tanz als Paar. Gemeinsam gingen sie rein und tanzten ihren letzten und wiederum ersten Tanz, der ihre Zukunft bestimmen sollte. Und so endete ihre Geschichte.

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Der Tausendfüssler-Tänzer

Es war einmal ein Tausendfüssler, der mit seinen tausend Beinen ganz fantastisch tanzen konnte, Wenn er tanzte, versammelten sich die Tiere des Waldes, um ihm zuzusehen, und alle waren von seiner Tanzkunst zutiefst beeindruckt. Nur ein Tier mochte den Tanz des Tausendfüsslers nicht leiden, eine Kröte..

"Wie schafft ich's nur, dass der Tausendfüssler zu tanzen aufhört?" überlegte sie. Sie konnte ja nicht einfach sagen, dass ihr der Tanz nicht gefiel. Und sie konnte auch nicht behaupten, sie könne selber besser tanzen, denn das würde ihr niemand abnehmen. Schliesslich heckte sie einen teuflischen Plan aus. Sie setzte sich hin und schrieb dem Tausendfüssler einen Brief. "O unvergleichlicher Tausendfüssler !" schrieb sie. "Ich bin eine ergebene Bewunderin Deiner erlesenen Tanzkunst. Und ich wüsste gern, wie Du beim Tanzen vorgehst. Hebst Du erst das linke Bein Nummer 228 und dann das rechte Bein Nummer 59? Oder beginnst Du den Tanz, indem Du das rechte Bein Nummer 26 und dann erst das rechte Bein Nummer 499 hebst? Ich warte gespannt auf Deine Antwort. Freundliche Grüsse, die Kröte."

Als der Tausendfüssler diesen Brief bekam, überlegte er sich zum ersten Mal in seinem Leben, was er beim Tanzen eigentlich machte. Welches Bein er als erstes? Und welche Bein kam dann?
Das war das Ende. Sein Denken erstickte seine Phantasie. Er hat nie mehr getanzt.

Aus dem Buch "Sofies Welt", Von Jostein Gaarder
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Das Tanzturnier am Radio

Vorbemerkung: In der fussballlosen Zeit werden die Fussball-Radioreporter, um nicht arbeitslos zu werden, für andere Sportarten eingesetzt. Dabei kommen auch sogenannte Randsportarten wie das Turniertanzen zum Zuge. Für diejenigen, die die letzte Tanzturnier-Radio-Reportage verpasst haben, wird sie hier in schriftlicher Form nochmals wiedergegeben:

"Guten Tag, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer am Radio zu Hause und im Äther. Ich begrüsse Sie herzlich zur heutigen Übertragung des Tanzturniers aus dem Berner Wankdorf. In der fussballlosen Zeit sind wir Fussball-Reporter verpflichtet, für spannende Reportagen auch von anderen Sportarten zu sorgen. Ich bin für ein Tanzturnier eingeteilt worden. Im Vorfeld der Sendung habe ich mich umfassend in die Materie eingearbeitet, so dass alles bestens klappen sollte.

Von meinen Fussball-Reportagen und von Kollegen habe ich zudem immer eine Liste dabei mit den gebräuchlichsten und treffendsten Ausdrücken und Beschreibungen für Fussballspiele und Spieler. Wo habe ich die Liste noch gleich... Hier ist sie. Mal schauen, ob ich etwas davon verwenden kann.
Allerdings will ich beim ersten Mal auch nicht zu dick auftragen. So heimisch fühle ich mich noch nicht an Tanzturnieren. Und ich weiss nicht, ob die Teilnehmer gleich viel einstecken können wie die Fussballer:

Das Tanzturnier hat noch nicht angefangen. Somit habe ich Zeit, Ihnen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, interessante Hintergrund-Informationen zum anstehenden Tanzturnier zu geben:

Im Gegensatz zu den früheren Ritterturnieren werden Tanzturniere nicht im Freien abgehalten sondern in einer Halle. Die Turnierfläche besteht aus poliertem Holz, die Grösse des Spielfeldes ist mehr oder weniger den Veranstaltern überlassen. Die Seitenlängen hier betragen geschätzte 10 x 18 Meter. Linien gibt es keine, weder Mittellinie noch Aussenlinien. Von meinem Platz aus kann ich auch weder einen Strafraum noch einen Penalty-Punkt ausmachen. Schiedsrichter gibt es auch keinen, es hat nur 5 Linienrichter, vermutlich wegen den fehlenden Seitenlinien. Das kann ja heiter werden...

Die Stimmung im fast ausverkauften Stadion, ich meine natürlich Halle, ist grossartig. Sprechchöre und Kuhglocken ertönen, Stoffbanner mit Namen und Nummern der Teilnehmer wurden aufgehängt und werden geschwenkt.

Zwischendurch sorgen Kinder immer wieder für ein sauberes Spielfeld: Die Teilnehmer verlieren nämlich viel Material und hinterlassen überall ihre Spuren. Was im Tennissport die Ball-Jungen und -Mädchen sind, sind im Turniertanz die Strass-Jungen und -Mädchen bzw. die Feder-Mädchen und -Jungen.

Die Mannschaften bestehen in der Regel aus gemischten Zweierteams, es soll aber auch schon 3 und mehr Teilnehmer im gleichen Team gegeben haben, die überschüssigen Teilnehmer gut versteckt im weiblichen Mitglied. Dieser Vorteil gegenüber den anderen Mannschaften (bessere Bodenhaftung) wird normalerweise nicht geahndet.

Keine der Mannschaften hat sich auf ein einheitliches Erscheinungsbild einigen können. Die männlichen Teile der Teams scheinen nicht viel Wert auf ihr äusseres Erscheinungsbild zu legen, sie sind meist in Trauer, mit schwarzem Hemd und Hose, z.T. auch mit schwarzem Kittel, an dem ein in der Mitte geteiltes Anhängsel montiert ist, vermutlich wegen dem Gleichgewicht, eventuell auch als Gegenbalance zur Dame, das weiss ich nicht so genau. Die Frauen haben sich aber toll herausgeputzt.

Damit man herausfinden kann, wer zu wem gehört, klammern sich die Zweierteams oft aneinander und der männliche Teil hat eine Markierung auf dem Rücken in Form einer Nummer.

Im Moment hat es wie beim American Foot-und Basket-Ball Cheer-Girls auf der Fläche, die allerdings ziemlich konzeptlos in der Gegend herumfuchteln. Dazwischen schwirren männliche Mannschaftsteile hin und her. Es ist ein rechtes Durcheinander, die Cheer-Girls scheinen nicht an Harmonie untereinander interessiert zu sein...

Wie bitte? ... Ach so! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, soeben hat mir ein Zuschauer erklärt, dass dies die Lateinpaare sind, die sich eintanzen. Das kann man ja nicht wissen, oder?... Sie werden später dran kommen. Zuerst kommt das Übliche, auch Standard genannt.

Jetzt... - jetzt ist es soweit. Es beginnt. Die Mannschaften betreten den Rasen, ich meine natürlich das Spielfeld. Im Gegensatz zum Fussball werden die einzelnen Teilnehmer nicht von jungen Nachwuchs-Sportlern hereingeführt, nein, sie führen sich selbst herein, Hand in Hand. Allerdings ist nicht klar ersichtlich, wer wen führt.

Es sind 9 Mannschaften, sie werden einzeln vorgestellt. Auf das Spielen der Nationalhymnen wird verzichtet. Auch werden keine Fähnchen ausgetauscht. Die Kapitäne der Mannschaften, man weiss nicht auf Anhieb, welches Teammitglied das ist, ich habe mir aber sagen lassen, dass dies von Fall zu Fall verschieden ist, also die zuständigen Kapitäne oder Kapitäninnen begrüssen nicht einmal wie üblich mit Handschlag die Linienrichter. Eigenartig.

Jetzt geht es los. Musik ertönt, es kommt noch mehr Stimmung auf. Offenbar kann jede Mannschaft anfangen, wo und wann es ihr gerade passt. Die Mannschaften bewegen sich im Gegenuhrzeigersinn. Da keine Mittellinie vorhanden ist, gibt es viele Geisterfahrer. Wenn das nur gut geht...

Ich habe mir sagen lassen, dass es weder darum geht, ein Tor zu schiessen, noch darum, schnellstmöglich eine Runde zurückzulegen. Es geht darum, Markierungen zu ergattern (Fachsprache: Marks). Wie genau die Mannschaften markiert werden, entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht wird das demnächst ersichtlich.

Da, Paar Nr. 17 hat einen ganz gemeinen Body-Check vollzogen, Paar Nr. 12 kann sich kaum mehr auf den Beinen halten, das gibt es ja nicht. Die Linienrichter verziehen keine Miene!

Und dort, Fussfehler bei Paar Nr. 15! Im Fussball würde das eine gelbe Karte geben. Hier hat es offenbar keine Konsequenzen.

Unglaublich: Paar Nr. 13 ist ausser Takt. Auch das gibt keine gelbe Karte. Erstaunlich!

Was ist denn dort los? Ein Gerangel, ein Knäuel. Nr. 16 wird von Nr. 11 und 18 eingeklemmt. Ist das erlaubt? Offenbar. Jetzt kommt auch schon Paar Nr. 13 dazu. Crash! Voll gerammt! Das Publikum pfeift. Aber dank der Kollision kann Nr. 13 immerhin im Takt weitertanzen.

Die Linienrichter machen fleissig Notizen. Wahrscheinlich gibt es für jeden Fuss-und Taktfehler und für jede Kollision Abzüge.

Das weibliche Teammitglied von Paar Nr. 14 geizt nicht mit ihren Reizen. Jetzt blinzelt sie auch noch provozierend auf den Linienrichter Nr. 5. Der schaut ja nicht mal hin. Das war ein Eigentor.

Paar Nr. 13 ist schon wieder ausser Takt, jetzt wäre eine zweite gelbe Karte fällig und gäbe im Fussball Platzverweis. Aber hier hat es, zumindest im Moment, keine Auswirkung. Ein Linienrichter schaut zwar etwas verdutzt aus dem Anzug, rausgenommen wird das Paar aber nicht. Das Ganze ist doch schwerer zu durchschauen als erwartet...

Was macht denn Nr. 12? Eine doppelte Doppelkreisel-Drehung und erst noch mit Rechtsneigung. Das kann ja nicht gut gehen. Der Trainer am Spielfeld-Rand verwirft die Arme, tobt... zu spät, die Dame ist von den Absätzen gekippt und liegt am Boden. Jetzt müsste doch das Spiel unterbrochen werden! Aber es sind keine Sanitäter in Sicht, auch keine Bahre. Und die Dame steht schon wieder. Allerdings bin ich froh, dass der Blick, den sie ihrem Partner zugeworfen hat, nicht mir gilt...

Also das gibt es ja nicht! Jetzt hat der Kapitän von Nr. 11 (bei Nr. 11 sieht man deutlich, wer der Kapitän ist) eindeutig ein gestrecktes Bein gehabt, ein vorbeitanzendes Paar wäre beinahe darüber gestolpert. Kein Mensch kümmert sich darum. Die Linienrichter schauen demonstrativ weg. Das kommt davon, wenn kein Schiedsrichter auf dem Spielfeld ist!

Bei Nr. 17 stimmt die Bewegung und die Harmonie. Auch weicht es geschickt den anderen Mannschaften aus. Jetzt sind sie in einer Promenade. Aber, oh Schreck, ihre Blicke gehen eindeutig ins Offside. Irgendwie sieht es noch gut aus. Aber es ist halt trotzdem Offside.

Der Herr Nr. 16 ist nicht mehr so herrlich wie auch schon. (Leise: Wo habe ich noch meine Liste mit den Ausdrücken? Hier ist sie. Mal sehen, was da passt:) Er tanzt ohne Biss und Schwung, ohne grossen Aktionsradius, hat eine lange Mängelliste, bastelt weiter an seiner nicht vorhandenen Auswärtsform. Ein Wunder, dass er keine Schwalbe macht! Auf alle Fälle sollte er ausgewechselt werden. Aber kein Ersatzspieler ist in Sicht. Wo ist der Trainer? Ah, dort. Aber was tut er? Er schwatzt mit einem der Linienrichter - genau wie im Fussball!

Nr. 12 scheint genug zu haben, zumindest das männliche Mannschaftsmitglied: Jetzt wirft der doch einfach die Dame weg (der Fachausdruck lautet: throw away oder so ähnlich). Dass sie nicht in den Zuschauern landet, verdankt sie nur ihrem verzweifelten An-den-Partner klammern. Schöner Partner das!

Die Linienrichter werfen sich jetzt immerhin einen vielsagenden Blick zu. Und die Vor-Runde ist vorbei.

Ich bin gespannt auf die Finalrunde. Darüber werde ich später berichten. Zuerst werde ich versuchen, die Dame Nr. 14 für ein Interview heranzubitten bevor sie in die Garderobe verschwindet.

Also, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: Bleiben Sie am Ball, äh, ich meine natürlich am Radio..."

Quelle: Michael Scherer
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